Sternstunde des Liberalismus

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    • Sternstunde des Liberalismus

      Moin.
      Interessanten Artikel habe heute gefunden und möchte mal gerne hier reinstellen.
      Neulich habe bei N24, ich glaube das war bei "Was erlauben Strunz", als Gast eine Komunistin (genauso stand das dort: nicht Linke, sondern Komunistin) gesehen. Herrlich was diese von sich geben. Vor allem, solche Leute erlauben sich im Fernseher solche Sprüche die man wirklich nur als Kneipensprüche kennt.
      Unvorstentlich für mich ist, dass man überhaupt diese Parteien erlaubt. Die sind in meinen Augen genauso gefährlich wie die rechten. Auch viele die sich jetzt Politiker nennen, früher für Diktatur gearbeitet haben und jetzt dürfen sie weiter machen? Herrlich, so was kann man ja nur bei uns sehen. :cursing:


      Autor Dipl.-Volkswirt Norbert Lohrke

      09:05 26.09.08

      In einem Provinzblatt hier im Norden, dass man nun wirklich nicht kennen muss und den Namen Kieler Nachrichten trägt, ist heute in einem Kommentar zu lesen, dass der Liberalismus versagt hätte. Der Wirtschaftsteil der Faz titelt heute damit, dass Steinbrück den Spekulanten zu Leibe rücken will. Und gestern bei Maischberger haben sich ausgerechnet der grüne Anti-Politiker Trittin, die Kommunistin Sarah Wagenknecht und der Ex-Deutsche Bank Vorstandschef Peanuts-Kopper zu einer Plauderrunde über die böse, böse Finanzwelt getroffen. Und wieder einmal wurde über die „Neoliberalen" hergezogen, dass es nur so spritzte.

      Es ist schon faszinierend, was man derzeit für einen Schwachsinn lesen muss. Von selbsternannten Experten, die nicht einmal die einfachsten volkswirtschaftlichen Zusammenhänge begreifen. Wieder einmal ist die Zeit für Populisten, Wortverdreher und Möchtegerns gekommen. Und wieder einmal werden unter dem Vorwand des Gemeinwohls (was war das doch noch gleich?), die eigenen Süppchen gekocht.

      Wie dummdreist diese Typen sind, sieht man an Herrn Trittin. Just zu der Zeit als seine Partei zusammen mit Schröder regiert hat, wurden die Tore für Hedge Fonds in Deutschland weit geöffnet. Sich jetzt da hinzustellen und auf die bösen Kapitalisten zu schimpfen, ist für mich der glatte Offenbarungseid und an Heuchelei nicht zu überbieten.

      Fakt ist, dass nicht der Markt versagt hat oder der Kapitalismus. Auch nicht der Liberalismus. Und auch nicht der Neo-Liberalismus, was immer man darunter verstehen möchte. Versagt haben neben den vielen maßlosen Bankern genau diejenigen, die jetzt am Lautesten schreien. Politiker aller Couleur.

      Ich kann an Liberalismus und liberaler Wirtschaft nichts Schlimmes finden. Im Gegenteil. Dass wir heute einen so großen Wohlstand besitzen und laut Weltbankberichten der Hunger in der Welt zurückgeht, ist genau jenem Gesellen geschuldet, der zu Unrecht bei jeder sich bietenden Gelegenheit eins über die Rübe bekommt.

      Der Liberalismus hat uns historisch gesehen aus Feudalismus und Absolutismus befreit. Im Zentrum dieser Philosophie steht der Mensch als Individuum, dessen Freiheit zu sichern und zu verteidigen oberste Aufgabe des Staates ist. An dieser Freiheit hat sich der Staat, seine politische und wirtschaftliche Ordnung auszurichten. Der Staat endet da, wo die Freiheit des Einzelnen berührt ist. Dort hat er einzugreifen.

      Das hat eben nichts mit einem Nachtwächterstaat zu tun. Im Gegenteil. Zentrale Forderung des Liberalismus sind die Grundrechte mit der Basis der Menschenrechte. Daraus werden Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz abgeleitet. „Ich teile Eure Meinung nicht, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr sie zum Ausdruck bringen könnt", zeigt die Toleranz, die dieser großartigen Idee zugrunde liegt. Und auch, dass es eines starken Staates bedarf. Eines Rechtsstaates.

      Und John Stuart Mill, einer der großen Vertreter betont in seiner Schrift „On Liberty",

      "dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten."

      Wer den Liberalismus konsequent zu Ende denkt landet beim freien Wettbewerb und der Marktwirtschaft. Adam Smith, der Urvater der Marktwirtschaft, hat das Wort der „unsichtbaren Hand" geprägt und damit die Einzelinteressen mit dem Gesamtinteresse in Einklang gebracht. Und dazu gehört auch das völlig falsch verstandene sog. Spekulantentum. Spekulation ist unverzichtbar für eine funktionierende Marktwirtschaft. Da das Ziel, einen finanziellen Vorteil dadurch zu erringen, das sich die erwartete Markteinschätzung realisiert, eine Schneise in die Zukunft schlägt, die uns hilft voranzuschreiten. Auch, wenn wir da manchmal in die Irre gehen. So aber ist das Leben. Leben ist – etwas platt gesprochen – nun einmal lebensgefährlich. Dass Steinbrück von der durchaus positiven Funktion der Spekulation keine Ahnung hat, bestätigt meine Auffassung nur allzu sehr.

      Wer jetzt auf die Marktwirtschaft einschlägt trifft den Falschen. Denn dass die göttliche „unsichtbare Hand" bestens funktioniert, zeigen die letzten 200 Jahre Wirtschaftsentwicklung eindrucksvoll. Was nicht funktioniert sind die Menschen, die es aus purer wirtschaftlicher Unwissenheit und politischer Dummheit versäumt haben, das Wichtigste im System nachhaltig zu installieren und zu justieren:

      Ordnungspolitik heißt das Zauberwort.

      Ein Wort, mit dem in unserem Berliner Parlament kaum jemand etwas anfangen kann. Dabei ist das unverzichtbare Voraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft.

      Doch wer nutzt dieses Wort? Haben Sie Frau Merkel, Herrn Steinbrück oder alle die klugen Kritiker, die jetzt auf den Plan treten, ein einziges Mal davon reden hören? Ich kann Ihnen auch sagen warum.

      Weil sie schlichtweg keine Ahnung von marktwirtschaftlichen Zusammenhängen haben. Weil diese Menschen nach wie vor planwirtschaftlich denken. Und das Heil im Korporativismus sehen. Dem Gedanken, dass man die Gruppeninteressen befriedigen müsse. Was absoluter Quatsch und Unsinn, leider aber an der Tagesordnung, ist.

      Diese Finanzkrise zeigt eben nicht, dass der Liberalismus versagt hat. Sie zeigt, dass wir es alle zusammen versäumt haben, die staatlichen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich die Wirtschaft ordentlich entwickeln kann.

      Es liegt Staatsversagen und nicht Marktversagen vor.

      Denn nicht unsere Mittelständler, die Liberalismus leben, haben versagt. Die funktionieren trotz hoher Belastung wie eh und je. Fleißig, ideenreich, bescheiden, verantwortungsvoll und aufrecht. Und bekommen dafür ein Päckchen nach dem anderen aufgeladen. Stichwort: Erbschaftsteuer.

      Nein, Banker, die übrigens früher Bankbeamte genannt wurden, haben versagt. Und Finanzinstitutionen, insbesondere auch im staatlichen Bereich haben versagt. Landesbanken, IKB, Sparkassen und Volksbanken. Und wer sitzt dort in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten? Richtig, unsere Politiker, Lobbyisten und Funktionäre.

      Also lasst bitte den großen Gedanken des Liberalismus in Ruhe. Der kann wirklich nichts dafür. Die Kleinkarierten, Freiheitsfeindlichen, Engstirnigen und Möchtegerns haben soeben ihr Waterloo erlebt. Und ihre Helfershelfer.

      Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

      Ihr Norbert Lohrke