Elliot-Wellen-Theorie

    • Elliot-Wellen-Theorie

      Hi,


      ich hab angefangen mit Elliot zu arbeiten und stell hier mal meine ersten Ergebnisse zu dem Dax im Zeitraum Monatlich bis Wöchentlich rein.
      Ich bin mir bei den Wellen noch nicht ganz sicher, also sind kommentare wie immer erwünscht :rolleyes:
      Bis jetzt hab ich nur die Impulswellen bearbeitet. Später kommen noch die Wellen A,B und C dazu.
      Ich hab die wellen erstmal nach dem Augenmaß angelegt und sie dann anhand der Regeln, die ich hatte, überprüft. Bis jetzt scheint alles zu stimmen...... :)
      Eine Schwierigkeit ist mir jetzt schon aufgefallen: Einige Regeln und Richtlinien beziehen sich auf die Unterwellen der übergeordneten Wellen. Dadurch wird es schwierig festzustellen, ob man mit seiner Annahme der Wellenzählung recht hat. Denn wenn man die selbe Art der Zählung auf die Unterwellen anwendet, kann man einen internen Fehler machen, ohne ihn zu bemerkten........Wenn jemand ne Lösung weiß, immer her damit :D

      mfg Der_Manager
    • Hi,


      mir ist bei meiner ersten Analyse ein Fehler unterlaufen, auf den mich realtrader aufmerksam gemacht hat: Man sollte eine Analyse von einem Wendetermin aus anfangen. Hab ich nicht gemacht. Bei dieser Analyse jetzt hab ich angefangen die Impulswellen vom März 2003 an zu analysieren. Denn da ist ein Wendetermin :)
      Anbei sind noch die Regeln und Richtlinien für die Impulswellen.


      mfg Der_Manager



    • Regeln (Impuls)
      • Welle 1 muss vom Typ Impuls oder Diagonal Triangel Typ 2 (Leading Diagonal, LD) sein
      • Welle 2 ist eine Korrektur aber kein Triangel
      • Welle 2 kann nicht länger (Kurs) sein als Welle 1 und deshalb nicht unter den Beginn von Weite 1 reichen.
      • Welle 2 sollte mindesten 20% der Welle 1 korrigieren
      • Welle 2 in ihrer Gesamtausdehnung ist länger als Unterwelle 2'oder 4' von 1
      • Welle 2 ist zeitlich maximal 9 mal so lang wie Welle 1; T(2) < 9x T(1)
      • Welle 3 muss vom Typ Impuls sein
      • Welle 3 ist niemals die kürzeste Welle.
      • Welle 3 ist grösser als 1/3 der Welle 1
      • Welle 3 muss länger als Welle 2 sein (Kurs)
      • Welle 3 ist maximal 7x solang wie Welle 1 (Kurs)
      • Welle 3 darf die 0-2 Linie nicht brechen, ein "Bump" (siehe unten) ist erlaubt
      • Welle 3: die letzte Unterwelle (Welle 5') der Welle 3 darf kein Failure sein (ein EDT ist erlaubt)
      • Welle 4 kann jede beliebige Korrektur sein
      • Welle 4 kann Welle 1 (außer bei einem Diagonal Triangel, leading oder ending) nicht überlappen.
      • Welle 4 darf nicht mehr als 61,8% der Wellen 3 korrigieren.
      • Welle 4 in ihrer Gesamtausdehnung ist länger als Unterwelle 2'oder 4' von 3
      • Welle 4 in ihrer Gesamtausdehnung ist länger als Unterwelle 2'oder 4' von 5 (gilt nicht in einer Extention)
      • Welle 4 in ihrer Gesamtlänge muss länger als 1/3 der Welle 2 sein (Kurs)
      • Welle 5 muss ein Impuls oder ein Diagonal Triangel Typ 1 (Ending Diagonal, ED) sein
      • Ein Impuls darf nur in einer einzigen Welle extensieren
      • Die extensierte Welle darf ein Bump aufweisen. Ein Bump schneidet in der Unterwelle 2 kurz die übergeordnete 0-2- bzw. 2-4-Linie.
      • Der Impuls ist beendet wenn die 2-4-Linie gebrochen ist. Ausnahme: die 5 ist ein EDT, dann darf die 2-4-Linie kurz gebrochen werden.
      • Teile der 4 dürfen die 2-4-Linie kurz brechen.



      Richtlinien (Impuls)
      • Normalerweise extensiert die Welle 1, 3 oder 5, meist Welle 3.
      • Wenn W1 und W3 noch nicht extensiert haben, die W4 die 0-2 Linie aber bereits gebrochen ist, ist mit einer Extension in der W5 zu rechnen.
      • Die dritte Welle zeigt das höchste Momentum, außer wenn Welle 5 die extensierte Welle ist.
      • Welle 5 überschreitet das Ende von Welle 3. (Sonst ist es ein Failure)
      • Welle 5 ist preislich und zeitlich meist kürzer als Welle 3.
      • Welle 5's Zielle können sein: 0,618x 1, 1x 1, 161,8x 1 oder 0,618x Gesamtlänge von Welle 1-3.
      • Welle 2 sollte weniger als 61,8% der Welle 1 korrigieren, im allgemeinen bis 50%
      • Welle 2 in ihrer Gesamtausdehnung ist länger als Unterwelle 2'oder 4' von 3
      Seite 5 von 33
      • Welle 2 ist häufig ein Zigzag, Doppel- oder Trippel-Zigzag
      • Welle 2 erreicht häufig das Ende der Unterwelle 4 der 1
      • Welle 3 erreicht häufig zwischen 1,5x und 3,5x der Länge von Welle 1
      • Welle 3 sollte zeitlich maximal 7 mal so lang wie Welle 1; T(3) < 7x T(1)
      • Welle 3 bewegt sich zeitlich zwischen 1x und 4x mal so lang wie Welle 1; T(1)< T(3) < 4x T(1)
      • Welle 4 ist selten ein Zigzag, Doppel- oder Trippel-Zigzag
      • Welle 4 bricht häufig die 0-2 Linie
      • Welle 4 korrigiert meistens nicht mehr als 50% der Welle 3
      • Welle 4 erreicht häufig das Level der Unterwelle 4 der Welle 3
      • Welle 4 Brutto-Gesamtlänge sollte größer als die Unterwellen 2' & 4' von 3 sowie 2' & 4' von 5 sein
      • Welle 4 ist zeitlich oft kürzer 2 mal Welle 3; T(4) < 2x T(3)
      • Welle 4 ist zeitlich oft zwischen 1 und 2,7 mal der Welle 2; T(2) < T(4) < 2,7x T(2)
      • Die zeitliche Ausdehnung der Wellen 4 & 5 zusammen ist häufig gleich oder länger als die zeitliche Ausdehnung der Wellen 1-3 zusammen: --> häufig: T(4-5)>T(1-3)
      • Die Weller 3 bildet sich oberhalb der 0-2-Linie. Ist die Neigung zu steil muss ein Zigzag in Betracht gezogen werden
      • Die interne Wellenstruktur sollte eine Alternation zeigen, was bedeutet, daß in Welle 2 und 4 unterschiedliche Korrekturmuster auftreten.
      Hierzu eine Statistik (Scharfe Korrekturen sind: ZigZag, Doppel- und Trippel-Zigzag, Seitwärtige Korrekturen sind Flat, Doppel Flat und Trippel Flat)


      In welcher Weise (Impuls)
      Impulsmuster treten in den Wellen 1,3,5 und in den Wellen A und C einer Korrektur auf. (Diese Korrektur kann eine Welle 2, 4 oder eine Welle B, D, E oder X sein)

      Interne Struktur (Impuls)
      Sie besteht aus fünf Wellen. Die interne Struktur dieser Wellen ist 5-3-5-3-5. Beachten Sie, daß die '3-er' Korrekturwellen sind, die in einem Corrective Triangle aus fünf Wellen bestehen können.
    • Waves of Elliot

      Moin Moin,

      das von Richard beschriebene Prinzip der Elliot Wellen ist ein sehr interessantes Modell der sogenannten alternativen technischen Analyse. Natürlich habe ich mich auch mit technischer- und fundamentaler Analyse beschäftigen müssen, jedoch habe ich wie die meisten die Klassiker studiert. Hier haben wir mal den Outsider Elliot - und der lag oftmals besser als die Klassiker. Daher sage ich zu Richard nur ... chapeau .. Richard

      Das Elliott Wellen Prinzip wurde in den späten 1920ern durch Ralph Nelson Elliott entdeckt. Er entdeckte, dass die Finanzmärkte nicht chaotisch sind, sondern, dass sich die Märkte in bestimmten Zyklen bewegen, die die menschlichen Aktionen, hervorgerufen durch Ihre Emotionen bzw. durch Massenpsychologie, reflektieren. Elliott fand heraus, dass sich Ebbe und Flut der Massenpsychologie in immer wiederkehrenden Mustern, die sich in so genannten Wellen unterteilen lassen, wiederholen.

      Teilweise basierte Elliott seine Arbeit auf der Dow Theorie, die Kursbewegungen ebenfalls als Wellen definiert, Elliott entdeckte jedoch die fraktale Natur dieser Kursbewegungen. Aus diesem Grund konnte Elliott die Märkte tiefer analysieren und detaillierte Kursprognosen erstellen, indem er die spezifischen Charakteristiken der Wellenmuster auf Basis der von ihm entdeckten Muster identifizierte.

      Fraktale sind mathematische Strukturen die sich auf einer immer kleiner werdenden Skala unendlich wiederholen. Die von Elliott entdeckten Muster sind in der gleichen Art aufgebaut. Eine Impulswelle, die mit dem Haupttrend geht, zeigt immer 5 Wellen in Ihrem Muster. Auf einer kleineren Skala bestehen alle Impulswellen dieser zuvor erwähnten Impulswelle wieder aus 5 Wellen. In diesem kleineren Muster wiederholen sich die gleichen Muster ad finitium. Diese immer kleiner werdenden Muster werden im Elliott Wellen Prinzip als unterschiedliche Wellengrade bezeichnet.

      Die Fraktale wurden erst viel später von Wissenschaftlern erkannt. In den 1980ern bewies der Wissenschaftler Mandelbrot die Existenz der Fraktale in seinem Buch "the Fractal Geometry of Nature". Er erkannte die fraktale Struktur in allen Arten von Objekten und Lebensformen, ein Phänomen das Elliott bereits in den 1930ern verstanden hatte.

      In den 1970ern gewann das Wellen Prinzip durch die Arbeit von Frost und Prechter an Popularität. Sie veröffentlichten ein legendäres Buch über die Elliott Wellen. ("Elliott Wave Principle...key to stock market profits, 1978", ein Muss für jeden Studenten der Elliott Wellen.) Hey Richard - ist son Tip!! In diesem Buch prognostizierten sie, mitten in der Krise der 70er, einen großen Bullmarket für die 1980er. Sie sagten nicht nur den Bullmarket korrekt voraus, Robert Prechter prognostizierte auch den Crash von 1987 sowohl zeitlich als auch mit seinem exakten Hoch.

      Erst nach Jahren des Studiums lernte Elliott diese sich wiederholenden Muster der Aktienmärkte zu entdecken. Außer auf diese Muster basierte Elliott seine Marktprognosen auf die Fibonacci Zahlen.

      Dies ist jedoch noch nicht die abstrakte Wellentheorie - wenn ihr da Bock drauf habt, werde ich beizeiten diese auch noch mal darstellen - Welle versus Mandelbrot.

      Gruß, pete
    • Hi,

      an alle anderen Elliott-"brüder":

      gibt es eine Regel um wie viel die A-B-C Korrektur die Impulswellen korrigieren muss?
      Das ist nämlich grad der Knackpunkt, an dem ich sitze: Sind wir grad in einer übergeordneten Impulswelle 1, wo jetzt die Impulswelle 2 kommt, oder gab es Ende '07 Anfang '08 ne Korrelation und wir befinden uns im Abwärtstrend mit momentaner Korrektur (A-B-C)??

      Hab mal zwei Charts angehängt. Der erste zeigt die Möglichkeit mit der Korrektur A-B-C und der zweite zeigt die Möglichkeit mit dem Abwärtstrend der Impulswellen.

      Mir persönlich sagt die zweite Möglichkeit eher zu, da das bedeuten würde, dass es jetzt nochmal ein Stück nach oben gehen würde und dann der Markt nochmal total einbricht und sich so mit dem Einbruchvon 2001 decken würde.
      Wie seht ihr das?

      mfg Der_Manager
    • Hi Manager,

      Normalerweise korrirgiert eine Abc Welle bis zur Welle 4, was beim Dax bei 5200 schon wäre.

      Das erste Beispiel was du gemacht hast ist imho falsch, das zweiter allerdings sehr gut. Du könntest jetzt bei Welle 5, noch eine grössere 1 machen.



      Was sich Elliot Wellen Analysten nicht ganz sicher ist, ob vom Höchst bis März09 ein abgeschlossenes 5 Wellenmuster ist, und wir uns jetzt in einer übergeordneten 2 Wellen befindet. Andere sagen, dass wir uns erst in der 4 Welle von einem übergeordneten Zyklus. Das jetzt dann mit Welle 5 runter der erste übergordnete Zyklus abgeschlossen wird.

      Das was wir seit März sehen, ist allerdings definitiv ein ABC Muster.

      Der Markt wird nach Elliot noch viel weiter einbrechen als 2001, bedenke wir befinden uns erst in der 1 oder 2 Welle eines übergordneten SuperZykluses. Er wird wieder bis etwa Welle 4 Korrigieren in diesem Superzyklus. Das würde heissen, wir fallen in eine Depression und der Dax würde unter 1000 Punkte fallen zum Schluss.

      Um das zu analysieren, bräuchte man aber eine chart von den letzten 300 Jahren, wo man den Superzyklus genau sieht.



      Prechter der bekannteste Elliot Wave Analyst hat ein Buch geschrieben "Conquer der Crash" und dort schreibt er das der Dow am Ende bis auf etwa 500 Punkte fallen wird. ich denke im Hinterkopf sollte man das haben, weil das verrückt wäre, wenn das passiert. Aber letztendlich ist das nur eine Theorie und keinesfalls sicher das es passiert.

      Aber wie oben von lovetrade beschrieben, Prechter lag mit seiner Elliot Wave theorie schon einige Male sehr präzis.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von superbroker ()

    • superbroker schrieb:

      Hi,

      da noch eine graphische Darstellung über die Superzyklen, leider nicht ganz bis heute.

      aber interessant auf alle Fälle ist, dass die ganzen grossen Börsencrash, am Schluss zu grossen Kriegen führten.



      Thema aufgreifend, hier ein paar Aufgaben.
      Bitte ergenzen, wenn jemandem was auffällt.

      Zyklusdauer von ca. Mai 1941 bis ca. Juni 1942. Zyklus war exakt am 08.07.41, 05.10.41 und 20.04.42. Zwischen 08.07 und 05.10 Topbildung ab September ist die Börse eingebrochen bis Apr. 1942. ZWEITER WELTKRIEG

      27.03.1966 gleicher Zyklus welcher ca zwei Monate vorher anfing und ca. zwei Monate nachher aufhörte. Von Jan. bis Okt an den Börsen einbruch
      Aussergewönliche Ereignisse?

      Beginn des gleichen Zyklus: ca. Juli 1976 bis ca. September 1977. Exakt wurde dieses Zyklus am 05.09.1976, 12.01.1977 und 23.06.1977. Zwischen ersten beiden wurde Top gebildet, um dann von 03.01 bis März 1978 Bärenkompagne zu starten.
      Aussergewönliche Ereignisse?

      Gleicher Zyklus. Beginn Apr. 2001 bis ca. Juni 2002. Exakt war Zyklus am 25.06.2001, 23.01.2002 und 02.04.2002: Mai 2001 Top - abwärts bis Sep 2001, danach Erhollung bis März 2002 und bis Okt 2002 Abwärtsbewegung.
      September 2001 Anschlag auf WTC. Okt 2001 Beginn des Krieges in Afganistan

      Gleicher Zyklus: Beginn Anfang November 2011 bis September 2013. Zum ersten mal wird Zyklus am 18.01.2012 exakt.

      Gruß winsi
    • Hallo Winsi

      winsi schrieb:

      27.03.1966 gleicher Zyklus welcher ca zwei Monate vorher anfing und ca. zwei Monate nachher aufhörte. Von Jan. bis Okt an den Börsen einbruch
      Aussergewönliche Ereignisse?
      Habe gerade etwas recherchiert und folgende Ereignisse rund um das Datum ausmachen können:

      Vielleicht ist da etwas dabei?

      Viele Grüße
      Patrick
    • Moin.
      Danke Patrick.
      Meine Vermutungen wurden damit nicht bestätigt, ist ja auch ein Erfolg. :D
      Unter dem Strich, würde ich behaupten, dass, statistisch gesehen, dieser Zyklus zu 100% (langfristig) negativ ist. Die Behauptung, dass dieser Zyklus mit Ausbruch der Kriegen begleitet wird, stimmt dann zu 50% und damit statistisch nicht tragbar. :D

      Gruß winsi
    • Guten Morgen!

      winsi schrieb:

      Beginn des gleichen Zyklus: ca. Juli 1976 bis ca. September 1977. Exakt wurde dieses Zyklus am 05.09.1976, 12.01.1977 und 23.06.1977. Zwischen ersten beiden wurde Top gebildet, um dann von 03.01 bis März 1978 Bärenkompagne zu starten.
      Aussergewönliche Ereignisse?
      Schau mal:
      de.wikipedia.org/wiki/1976

      de.wikipedia.org/wiki/1977


      Wusste gar nicht, dass es eine solche Übersicht bei Wikipedia gibt, ist aber recht vollständig..!

      Grüße
    • Habe hier mal was anderes, was gewisse perioden betrifft.. ;) wer nicht kennt: stockstreet.de

      Hier mal die Ausgabe vom 4.4

      Der Todesstoß für die Weltwirtschaft?
      von Jochen Steffens und Torsten Ewert
      Sie haben sicherlich schon von dem Begriff „Schwarzer Schwan“ gehört. So bezeichnet man seit dem Erscheinen des gleichnamigen Buches von Nassim Taleb ein außergewöhnliches Ereignis, das sehr selten oder völlig unerwartet auftritt, aber dramatische Konsequenzen nach sich zieht, die unser bisheriges Weltbild häufig völlig auf den Kopf stellen.
      (Der Name leitet sich von der Entdeckung des Trauerschwans in Australien ab, der die bis dahin in Europa geltende Überzeugung revidierte, alle Schwäne seien weiß.)
      Verkannte Gefahren
      Interessanterweise haben wir, Torsten Ewert und Jochen Steffens, unabhängig voneinander einen neuen möglichen schwarzen Schwan ausgemacht und so ist dieser Text heute auch von uns beiden verfasst worden. Und diese vergleichsweise naheliegende Gefahr spielt erstaunlicherweise in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle. Und dabei wäre dieser Schwarze Schwan vermutlich an Dramatik kaum zu überbieten. Betrachten Sie dazu einfach die folgende Abbildung:

      Quelle: US Geological Survey, eigene Darstellungen
      Sie zeigt die tektonische Struktur im pazifischen Ozean, sowie die jüngsten starken Beben dort (rote Punkte). Diese begannen im Januar 2010 in Haiti mit einem Beben der Stärke 7,0 und liefen dann im Uhrzeigersinn um den Pazifik:
      Nur etwa einen Monat später kam es zu einem noch schweren Erdbeben (Stärke 8,8) in Chile, ein halbes Jahr später folgte ein weiteres starkes Beben in Neuseeland (Stärke 7,1). In der gleichen Region ereignete sich im Februar dieses Jahres ein weiteres Beben (Christchurch), das zwar etwas schwächer war (Stärke 6,3) aber größere Schäden verursachte. Und nun eben dieses verheerende Beben in Japan, das mit seiner Stärke von 9,0 das bisher schwerste in dieser Reihe war (alle Angaben zur Stärke nach der für schwere Erdbeben geeigneteren Momenten-Magnituden-Skala).
      Der Pazifik – Quelle des nächsten Schwarzen Schwans?
      Im Zentrum dieser Aktivitäten scheint die sogenannte Pazifische Platte (hellgelb) zu stehen, die traditionell ein Gebiet massiver seismischer Aktivitäten ist. An dieser Platte liegen nicht nur die tiefste Stelle unseres Planeten, der über 11.000 Meter tiefe Mariannengraben (an der Nahtstelle zur Philippinischen Platte) und die bemerkenswerte San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien.
      Die Pazifische Platte und einige kleinere Nachbarplatten werden vom sogenannten Pazifischen Feuerring (lila) umschlossen, der von Neuseeland über die Philippinen und Japan bis nach Kamtschatka und an der amerikanischen Westküste bis hinunter nach Feuerland verläuft. Dort befinden sich rund zwei Drittel aller Vulkane.
      Eine wirklich düstere Ahnung
      Die auffällige Häufung von schweren und schwersten Erdbeben an dieser seismisch so aktiven Platte rückt natürlich Kalifornien mit seinen Mega-Städten San Francisco und Los Angeles in den Mittelpunkt des Interesses. Der Gedanke liegt nahe, dass die Platte zurzeit eine größere Bewegung durchmacht und dass diese eben im Uhrzeigersinn zu diesen schweren Erdbeben entlang des Feuerrings führt. Und das könnte die Ursache dafür sein, dass das nächste größere Erdbeben an der Westküste Amerikas stattfindet. Und genau dort befinden sich große und sehr wichtige Metropolen wie San Francisco und Los Angeles (gelbe Punkte).
      Die Erdbebenkatastrophe von San Francisco 1906
      Sofort werden Erinnerungen an das schreckliche Erdbeben von 1906 in San Francisco lebendig. De facto zerstörte dieses Beben sowie die nachfolgenden Brände (durch geplatzte Gasleitungen) fast die gesamte Stadt. Die Stärke dieses Bebens von geschätzten 7,7 bis 8,3 ordnet sich nahtlos in die Größenordnung der oben genannten Katastrophen rund um den Feuerring ein.
      Neben den menschlichen und materiellen Opfern hatte dieses Geschehen übrigens auch direkte Auswirkungen auf die Börsen: So führten die materiellen Verluste, die Entschädigungen durch Versicherungen und eine übermäßige Kreditvergabe im Vorfeld der Katastrophe zu eine Rezession und später auch einer Inflation. Dies alles mündete – zusammen mit spekulativen Fehlern – schließlich in die Bankenkrise von 1907, als deren spätere Folge schließlich 1913 die US-Notenbank gegründet wurde.
      Kalifornische Bauwut trieb gefährliche Blüten!
      Verrückterweise wurden damals zur Beschleunigung des Wiederaufbaus in San Francisco die Bauvorschriften gelockert statt verschärft. Viele Gebäude aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Zeit der Wolkenkratzer!) stehen heute noch und erfüllen nicht die Mindestanforderungen an eine erdbebensichere Bauweise (so entsprachen die Baustandards von 1950 nicht einmal denen von 1906)!
      Zudem stehen viele Bauten in und um San Francisco auf vergleichsweise lockerem Untergrund, was ihre Anfälligkeit gegen Beben noch verstärkt.
      Das letzte größere Beben, das sogenannte Loma-Prieta-Beben, ereignete sich 1989. Es war das stärkste in San Francisco seit 1906 und verlief vergleichsweise glimpflich. Allerdings veranschlagen Experten spätestens seit damals die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Bebens wie das von 1906 mit 60 Prozent innerhalb der folgenden 30 Jahre. Auch das passt zu der zuletzt beobachteten Häufung von Beben rund um die Pazifische Platte.
      Atomarer GAU auch in den USA?
      Aber es kann noch schlimmer kommen: Insbesondere die atomare Katastrophe in Japan als Folge des Bebens bzw. des nachfolgenden Tsunamis erhöhen die Befürchtungen über die Auswirkungen eines schweren Bebens speziell im südlichen Kalifornien, das unter Seismologen als besonders gefährdet gilt. Dort stehen nämlich ebenfalls Atomkraftwerke und zwar gleich vier Stück (siehe schwarze Dreiecke in der folgenden Karte):

      Quelle: US Geological Survey, US Nuclear Regulatory Commission, eigenen Darstellungen
      Damit ist ein schwerer atomarer Zwischenfall auch in den USA nicht mehr auszuschließen. Zumal die Atomkraftwerke dort nur für die Stärke 7,5 ausgelegt sind (in Japan 8,25). Und auch Japan war ja nicht das Erdbeben die Ursache für den GAU, sondern halbherzige Schutzmaßnahmen gegen den späteren Tsunami...
      Atomkraftgegner in den USA halten allerdings den New-Madrid-Graben im mittleren Westen für das kritischere Gebiet. Dort befinden sich nämlich gleich zwölf AKWs in unmittelbarer Gefahr. In jedem Fall ist die Bedrohung für Amerika deutlich größer als derzeit in Japan, da sich in unmittelbarer Nähe des derzeit am wahrscheinlichsten von einem Erdbeben betroffenen Gebietes mit San Francisco und Los Angeles gleich zwei Mega-Citys befinden.
      Es lässt sich nach dem Erdbeben in Japan leicht ausmalen, welche Auswirkung eine solche Katastrophe auf die sowie schon angeschlagene amerikanische Wirtschaft und damit auch für die Weltwirtschaft hätte.
      Geringe Aufmerksamkeit des Problems begünstigt einen Schwarzen Schwan!
      Erstaunlicherweise wird dieses Problem in den Medien bisher kaum thematisiert. Auch in den USA ist es vergleichsweise ruhig dazu (Die jüngste Ausgabe des US-Wirtschaftsmagazins Fortune brachte nur eine lapidare Gegenüberstellung der altbekannten Argumente von Befürwortern und Gegnern der Atomenergie sowie die Einschätzung von Black-Swan-Autor Nassim Taleb dazu). Aber genau das ist ja das hervorstechende Merkmal eines Schwarzen Schwans – er taucht auf, wo oder wann man es am wenigsten erwartet...
      Insbesondere der Zeitfaktor ist in diesem Fall entscheidend. Denn wenn Sie sich nochmals die Karte der jüngsten Erdbeben anschauen, dann fällt Ihnen möglicherweise die frappierende Regelmäßigkeit auf, mit der sich die Vorkommnisse ereigneten: Zwischen Haiti und Chile bzw. Christchurch und Japan lag jeweils nur ein Monat Abstand, zwischen Chile und den beiden Beben in Neuseeland lagen sechs Monate. Das sind in der Seismologie erstaunlich kurze Zeiträume, die für die USA ein Zeitfenster von Frühsommer 2011 bis zum Jahr 2012 für ein mögliches nächstes Beben öffnen...
      Das Zeitfenster für die Atomkraft und die Gefahren daraus ist deutlich größer: Selbst ein sofortiges Abschalten beseitigt die Gefahren nicht. Der Rückbau eines Kernkraftwerks dauert Jahre bzw. Jahrzehnte (z.B. Planung für AKW Stade: 2003 bis 2015; das alte DDR-Kraftwerk Lubmin wird seit Anfang der 1990er Jahre demontiert). Selbst wenn uns Mutter Erde in Kalifornien noch etwas länger verschont – beseitigt sind die Gefahren deshalb noch lange nicht...
      Kann man sich auf eine solche Katastrophe vorbereiten?
      Leider weiß man nie, wann solche Katastrophen eintreten, und deswegen ist es unmöglich, im Vorfeld konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Aber Sie können einen Notfallplan entwickeln, der Ihnen in hilft, mental vorbereitet zu sein und Ihnen im Fall der Fälle somit ermöglicht, Ihr Vermögen bestmöglichst zu schützen.
      Wir werden das Thema auch hier bei Stockstreet weiter diskutieren. Dazu demnächst vielleicht mehr hier im Steffens Daily oder in der Stockstreet-Investment-Strategie.
      Viele Grüße
      Jochen Steffens & Torsten Ewert