Griechische Staatsanleihen durch EU abgesichert?

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    • Griechische Staatsanleihen durch EU abgesichert?

      Hi,

      ein befreundeter Banker hat mir zum Kauf einer griechischen Staatsanleihe mit einem Jahr Restlaufzeit geraten. Ich kaufe nicht über ihn, er zieht also daraus keinen Nutzen - insofern bin ich mir sicher, dass der Tipp in bester Absicht erfolgte.

      Es handelt sich um folgende Anleihe (A0T6US):

      onvista.de/anleihen/snapshot.h…69642&SEARCH_VALUE=a0t6us

      Laut seiner Aussage sind diese EU-Bonds durch den europäischen Rettungsschirm abgesichert, somit habe ich auch im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands keinen Verlust.

      Ich habe heute bei ftd folgenden Artikel gefunden:

      ftd.de/finanzen/maerkte/anleih…tungsschirm/60032406.html

      Hier wird ja beschrieben, dass mit Inkrafttreten des ESM Mitte 2013 auch private Gläubiger Opfer einer Umschuldung werden können und eventuell Einbußen, bis hin zum Totalverlust einkalkulieren müssen.
      Heißt das im Umkehrschluss, dass bis 2013 durch den bestehenden EFSF sämtliche Anleihen abgesichert, bzw. private Gläubiger geschützt sind? Das genannte Papier läuft ja bereits im März 2012 aus, insofern wäre man ja nicht vom ESM betroffen.

      Von den nackten Zahlen (12% Rendite) sieht es ja gut aus, nur im Bezug auf die Sicherheit bin ich noch unschlüssig.


      Wäre super wenn jemand die Lage diesbezüglich etwas beleuchten könnte. Danke ;)

      Gruß
      schirmi
    • Hi,

      eigentlich kann man diese Frage nicht beantworten. Jeder muss die Risiken für sich abschätzen.

      Theoretisch hat dein Freund der Banker recht. Allerdings geht er auch von Versprechen aus, die gehalten werden können.
      Hier sollte man aber ergänzen, dass es durchaus Meinungen am Markt gibt, die auf eine Zerschlagung des Euros und somit auch einer Währungsreform für Europa tippen.
      Bei solch einem Szenario gibt es nicht wirklich viele Anlagen (ca. keine) mit denen man ungeschoren davon kommt. Mit einer Anleihe (egal welche) ist man aber wahrscheinlich nicht gerade am Besten dran.
      Über Horrorszenarien wie ein Zerfall des globalen Finanzsystems (siehe z.B. hier: hartgeld.com/collapse-o-meter.htm) wollen wir erst gar nicht reden.

      Im Prinzip ist es so, dass immer alles passieren kann, und niemand dir sagen kann, was am Besten ist, weil niemand in die Zukunft schauen kann.

      Ich persönlich fühle mich für die nächsten 5-10 Jahren mit einer hohen Schuldenquote (Immobilien als Kaitalanlage) wohl. Was übrig bleibt würde ich in solide Aktien (keine Derivate oder Fonds) global agierender Unternehmen (am Besten mit irgendeiner Monopolstellung) und guter Dividendenausschüttung investieren. Und wenn noch was zum zocken an der Börse bleibt (Trading), dann ist das noch besser.

      Du siehst, jeder hat seine Einstellung zum Thema Finanzen. Ich denke, das Wichtigste ist, sich seine eigenen Gedanken zum Thema zu machen und sich dann seine Ziele zu setzen. Nur so kann man m.E. erfolgreich agieren.

      lg _sexytrader
    • Danke für deine Einschätzung ;)

      Mit einer Zerschlagung des Euro rechne ich persönlich nicht, ich glaube dass von Brüssel jeder Preis bezahlt wird um deren liebstes Kind über Wasser zu halten - und unsere nachgiebige Kanzlerin wird hierfür wohl auch weiterhin fleißig Bürgschaften und Überweisungen unterschreiben. Das ist natürlich nur meine persönliche Vermutung - wer kann schon in die Zukunft sehen. Im Falle eines globalen Systemcrashs ist es dann sowieso wurscht - dann werden wir wohl andere Sorgen haben als den Verlust von etwas, dann sowieso wertlosen, Giralgeldes.

      Dass die Anleihe also theoretisch schonmal ausfallgesichert ist - in diesem Punkt war ich mir nicht ganz sicher, habe auch durch googlen keine eindeutige Antwort gefunden - reicht mir eigentlich aus, um ein paar Anteile in meinem Depot zu riskieren - natürlich nur in einem Umfang in dem ich auch den Verlust noch verschmerzen könnte ohne meinen Wohnsitz unter einen trockenen Brückenbogen verlegen zu müssen.

      Immobilien kommen für mich als Student nicht in Frage, das ist zu langfristig (könnte mir nach dem Studium erstmal einige Jahre im Ausland gut vorstellen) und auch außerhalb meines Budgets.
      Aktien habe ich natürlich auch im Depot, einige davon mit Dividendenfokussierung - die Telekom hat mir hier letzte Woche Montag aber auch in Sachen Kurszuwachs viel Freude bereitet :thumbsup:

      Etwas Trading betreibe ich nebenbei auch, allerdings in sehr kleinem Umfang - hier liegt zur Zeit der Lerneffekt im Vordergrund, gewinnmäßig ist die Rente mit 20 noch in weiter Ferne :D

      Grüße,
      schirmi
    • Finger WEG! Autsch!Autsch!

      teleboerse.de/nachrichten/doss…essen-article3034006.html


      Griechenland droht Umschuldung
      Warum Gläubiger dran glauben müssen
      von Nikolas Neuhaus
      Ein Jahr nach den ersten Rettungsmilliarden kommt eine Umschuldung Griechenlands wieder aufs Tapet. Warum wird die Debatte nun wieder akut und was bedeutet ein Schuldenschnitt für Gläubiger? n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur hellenischen Schuldendebatte.

      (Foto: REUTERS)
      Griechenland wurde doch schon gerettet. Warum soll Athen jetzt umschulden?
      Als EU und Internationaler Währungsfonds vor einem Jahr ein Rettungspaket für Griechenland geschnürt haben, drohte eine Staatspleite in Athen. Deshalb beschlossen sie, Griechenland bis 2013 insgesamt 110 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen. Die Retter setzten darauf, dass die Regierung in Athen das Geld nur zur Überbrückung braucht, bis sie die eigenen Staatsfinanzen wieder so weit im Griff hat, dass die Märkte dem Land wieder bereitwilliger und günstiger Kredit geben.
      Die Pläne gingen jedoch nicht auf. Nur kurzzeitig sanken damals die Renditen für zehnjährige griechische Anleihen von in der Spitze mehr als 12 auf rund 6 Prozent – um kurze Zeit darauf rasch wieder die Aufholjagd auf das alte Rekordhoch aufzunehmen. Mittlerweile rentierten die zehnjährigen Staatspapiere Griechenlands im März zeitweise mit beinahe 13 Prozent – also noch höher als zur akuten Rettungsphase.
      Für Griechenland ist das ein großes Problem, weil das Land sich eigentlich schon im kommenden Jahr mit frischen Anleihen, zum Teil wieder am Kapitalmarkt, finanzieren wollte. Zu diesen Konditionen wäre das jedoch realistischerweise nicht möglich. Zum Vergleich: Zehnjährige Staatsanleihen von Europas Vorzeigeschuldner Deutschland bringen am Markt beinahe zehn Prozentpunkte weniger Rendite. Um nicht dauerhaft am Tropf zu hängen, wird deshalb nun – wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand - über eine Umschuldung Griechenlands geredet.
      Ist eine Umschuldung das Gleiche wie ein Schuldenschnitt?
      Ja, im Ergebnis schon. Ob der Schritt nun Umschuldung, Restrukturierung, Haircut, Schuldenschnitt oder Staatspleite genannt wird, hängt nur an der konkreten Ausgestaltung. Ökonomisch bedeutet es aber am Ende das gleiche, nämlich einen Verzicht der Anleihegläubiger auf einen Teil ihres Geldes zur Rettung Griechenlands.
      Denkbar wäre, dass Griechenland seine Anleihen abwertet, Schulden also nicht vollständig zurückbezahlt. Eine Alternative wäre die Aussetzung von Zinszahlungen. Auch eine zwangsweise Verlängerung der Laufzeit der Staatsanleihen wäre denkbar, womit Gläubiger ohne eine entsprechende Renditeentschädigung länger auf ihr Geld warten müssten. An welcher Stelle der Gläubiger am Ende Einbußen hat, ist also letztlich eine Detailfrage. Sie ändert nichts daran, dass er als Kreditgeber auf einen Teil seines ihm zustehenden Geldes verzichten muss.
      Warum tut sich Griechenland so schwer, selbst von seinen Schulden herunterzukommen?
      Die Regierung in Athen hat im Zuge der Rettungsgelder harte Schnitte am Staatshaushalt auf den Weg gebracht. Bis Ende kommenden Jahres will der Staat 30 Mrd. Euro einsparen, etwa durch einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen bei Beamten, erheblichen Kürzungen im Sozialbereich oder einer Abhebung des Rentenalters. Dafür hat sie in der Bevölkerung harte Proteste geerntet.

      Seit Wochen besetzen Protestierende gegen die Sparbemühungen der griechischen Regierung das Rathaus in Athen.
      (Foto: AP)
      Trotz aller Anstrengungen stieg jedoch der griechische Schuldenberg immer weiter an und liegt bald bei 150 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Mit anderen Worten: Die gesamte griechische Wirtschaft verkauft innerhalb eines Jahres gerade einmal so viele Waren und Dienstleistungen wie zwei Drittel der Staatsschulden. Entsprechend aussichtslos sind die Aussichten des Landes, jemals wieder von diesem Schuldenberg herunterzukommen.
      Während nach der Finanzkrise in vielen Industriestaaten staatliche Ausgabenprogramme die Konjunktur ankurbelten, wurde Griechenland quasi auf Diät gesetzt. So nötig es für Griechenland ist, durch strukturelle Einsparungen die Verschuldung dauerhaft zu senken, entziehen die Einsparungen gleichzeitig der griechischen Wirtschaft kurzfristig Geld und verschärfen so das Problem.
      Wen würde eine Umschuldung treffen?
      Gläubiger Griechenlands sind vor allem Banken, Versicherungen und Investmentfonds. Sie müssten ihre Forderungen zum Teil abschreiben, was den Aktionären bzw. Anteilseignern der betreffenden Institute nicht schmecken dürfte. Die Finanzhäuser müssen daher auch mit Kurseinbußen ihres Unternehmens am Aktienmarkt rechnen.
      Auch deutsche Banken sind stark engagiert:
      Bank
      Staatsanleihen /
      Kredite an die Regierung

      BayernLB
      200 Mio. Euro
      WestLB
      97 Mio. Euro
      NordLB
      197 Mio. Euro
      HSH Nordbank
      über 300 Mio. Euro
      LBBW
      1,389 Mrd. Euro
      Helaba
      78 Mio. Euro
      LBB
      364 Mio. Euro
      HRE
      0 *
      Depfa
      0 *
      DZ Bank
      1,195 Mrd. Euro
      Commerzbank
      3 Mrd. Euro *
      Deutsche Bank
      1,601 Mrd. Euro

      * HRE / Depfa: Milliardenbeträge in Bad Bank ausgelagert; Details werden noch veröffentlicht. Commerzbank: Staatsanleihen und sonstige Bestände

      Daneben könnte – je nach Ausgestaltung einer Umschuldung – jedoch auch die Europäische Zentralbank in der Pflicht stehen. Sie hat Investoren Anleihen besonders von der Pleite bedrohter Staaten abgekauft, um die gefährliche Renditejagd der klammen Euro-Staaten zu bremsen. Dazu musste die Zentralbank die Anleihen jedoch in ihre Bücher nehmen. Kommt es nun zum Schuldenschnitt, müsste auch die EZB Abschreibungen auf diese Papiere vornehmen und die Verluste ausgleichen.
      Warum wurden Gläubiger nicht längst an der Griechenland-Krise beteiligt?
      Als das Rettungspaket für Griechenland geschnürt wurde, gab es durchaus kritische Stimmen, die eine Beteiligung der Gläubiger forderten. Letztlich waren es jedoch zwei Gründe, die dies verhinderten:
      • Die größte Sorge war, dass sich die Finanzkrise an den Rändern Europas zu einem Flächenbrand ausweitet. Ein Schuldenschnitt wurde als Signal an die Märkte verstanden, dass Investoren immer auch mit der Pleite eines Euro-Landes rechnen müssen. Dies hätte nach herrschender Lesart dieser Tage das Vertrauen in die Euro-Staaten insgesamt derart erschüttert, dass ein hoch verschuldetes Land nach dem nächsten in Bedrängnis geraten wäre und am Ende auch finanziell stabilere Staaten bedroht hätte.
      • Gläubiger der hoch verschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland waren vor allem Finanzinstitute. Die Banken hatten jedoch ohnehin noch mit den Auswirkungen der Finanzkrise zu kämpfen. Die Angst vor einer Bankenpleite und einer Kettenreaktion im Finanzwesen steckte allen Beteiligten noch tief in den Knochen. Deshalb war die Angst groß, ein Zahlungsausfall Griechenlands könnte stark engagierte Finanzhäuser nach der gerade überstanden geglaubten Finanzkrise nun sturmreif schießen. Kritiker sprachen aus diesem Grund schon damals davon, dass das Rettungspaket für Athen eigentlich nur ein verkapptes weiteres Rettungspaket für den Finanzsektor war.